Schnelle Fakten
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Wenn Sie vor Kurzem in die Schweiz gezogen sind, war Ihr erster Ausflug in den Supermarkt wahrscheinlich mit zwei Schocks verbunden: den Ladenschlusszeiten und dem Kassenzettel. Schweizer Supermärkte sind sauber, gut sortiert und bekanntermassen teuer. Zudem unterliegen sie einer Reihe einzigartiger kultureller Regeln, die Neulinge oft verwirren.
Sich hier zwischen den Regalen zurechtzufinden, bedeutet nicht nur, Milch zu kaufen; es geht darum, im nationalen Diskurs zwischen „Migros Kind“ und „Coop Kind“ Stellung zu beziehen, herauszufinden, warum man beim grössten Detailhändler des Landes keinen Wein kaufen kann, und auf die harte Tour zu lernen, dass sonntags fast nichts geöffnet ist.
Im Jahr 2026 wandelt sich die Einzelhandelslandschaft weiter: Es gibt mehr Discount Optionen und Lieferdienste als je zuvor. Hier ist Ihr praktischer Leitfaden, um in Schweizer Supermärkten zu überleben und dabei Franken zu sparen.

Die „Grossen Zwei“: Migros vs. Coop
In der Schweiz wird man praktisch in eine „Migros Familie“ oder eine „Coop Familie“ hineingeboren. Diese beiden Giganten kontrollieren den Grossteil des Marktes, und obwohl sie oberflächlich ähnlich aussehen, funktionieren sie sehr unterschiedlich.
Migros: Der orange Riese
Die Migros ist die grösste Detailhändlerin der Schweiz und betreibt bis Ende 2025 über 760 Standorte. Als Genossenschaft mit über 2,2 Millionen Mitgliedern ist sie stolz darauf, der „Supermarkt des Volkes“ zu sein.
Insider Wissen: Das Wichtigste, was man über die Migros wissen muss, ist, dass sie weder Alkohol noch Tabak verkauft. Diese Politik besteht seit 1928 und wurde durch eine Urabstimmung im Jahr 2022 bestätigt. Wenn Sie also eine Einladung zum Abendessen planen und Wein benötigen, müssen Sie einen separaten Stopp einlegen (oft bei Denner, der zur Migros Gruppe gehört, aber eigenständig operiert).
Die Migros setzt stark auf Eigenmarken. In kleineren Filialen findet man kaum grosse internationale Marken (wie Coca Cola oder Nutella); stattdessen gibt es Migros eigene Versionen, auf die viele Einheimische schwören.
Coop: Das Zuhause der Marken
Mit fast 1.000 Supermärkten im ganzen Land ist Coop der Hauptrivale. Coop gilt allgemein als etwas teurer als die Migros und konzentriert sich stärker auf Markenprodukte und Gourmet Linien wie „Fine Food“.
Im Gegensatz zur Migros verkauft Coop Wein, Bier und Spirituosen direkt im Laden. Für Expats, die nach spezifischen internationalen Marken suchen, ist Coop daher oft die bevorzugte Wahl.
Die Discounter: So sparen Sie 25 %
Jahrelang blickten Schweizer Käufer auf Discountketten herab. Das hat sich geändert. Die Inflation hat selbst wohlhabende Kunden zu den deutschen Discountern Aldi und Lidl getrieben, die ihre Präsenz in der Schweiz massiv ausgebaut haben.
Lidl und Aldi Suisse
Wenn Sie Ihr Lebensmittelbudget senken wollen, sind Sie hier richtig. Preisvergleiche aus dem Jahr 2025 zeigen, dass ein Standard Warenkorb bei Lidl oder Aldi etwa 20-25 % günstiger ist als bei Migros oder Coop. Bei bestimmten Artikeln wie Obst und Gemüse (z. B. Zitronen oder Gurken) kann der Preisunterschied sogar bis zu 40 % betragen.
Lidl ist besonders aggressiv bei den Preisen und frischen Backwaren. Aldi Suisse feierte 2025 sein 20-jähriges Jubiläum und betreibt mittlerweile 247 Filialen. Obwohl die Auswahl kleiner ist als bei den grossen Zwei, ist die Qualität von Schweizer Fleisch und Schokolade in diesen Läden überraschend hoch.

Denner
Denner ist der drittgrösste Akteur und gehört technisch gesehen zur Migros. Er fungiert als Discounter, führt aber die Markenartikel bei Alkohol und Zigaretten, die die Migros ablehnt. Er ist die Anlaufstelle für günstigen Wein und Grossgebinde bei Getränken.
Nahversorgung und ländliches Einkaufen
Volg
Wenn Sie in einem Dorf oder auf dem Land leben, ist Volg wahrscheinlich Ihre Rettung. Mit über 900 Verkaufsstellen sind sie überall präsent. Sie spezialisieren sich auf lokalen Service auf Dorfebene. Die Preise sind meist etwas höher, aber man spart sich die Fahrt in die Stadt.
Spar
Spar operiert als Nachbarschafts Franchise-Laden. Oft haben sie etwas bessere Öffnungszeiten als die Haupt Supermärkte, was sich jedoch in den Preisen widerspiegelt.
Luxus und Warenhäuser
Wenn das Budget keine Rolle spielt und Sie Trüffelöl oder hochwertige Geschenke benötigen, sind die Lebensmittelabteilungen der Warenhäuser die richtige Adresse.
- Manor Food: Bekannt für exzellente Fischtheken und lokal bezogene Produkte. Der „Click + Collect“-Service ermöglicht die Abholung innerhalb von 60 Minuten.
- Globus Delicatessa: Die absolute Oberklasse. Denken Sie an Champagner, Kaviar und handwerklich hergestellten Panettone (der gut CHF 38.00 kosten kann). Das ist ein Erlebnis, nicht nur ein Einkauf.
Öffnungszeiten: Der „Sonntags Schock“
Hier werden die meisten Expats kalt erwischt. Anders als in vielen anderen Ländern ruht der Schweizer Handel am Sonntag fast komplett.
Die Realität:
- Ladenschluss: Standard Supermärkte in Städten wie Zürich schliessen zwischen 20:00 und 21:00 Uhr. In kleineren Orten kann schon um 18:30 Uhr Schluss sein.
- Sonntage: Fast alles ist strikt geschlossen.
- Das Schlupfloch: Wenn Sie am Sonntag dringend Lebensmittel brauchen, gehen Sie zum Hauptbahnhof (HB), zum Flughafen oder in einen Shop einer grossen Tankstelle (wie Coop Pronto oder Migrolino). Diese sind vom Sonntagsverkaufsverbot befreit und haben oft bis 22:00 oder 23:00 Uhr offen allerdings zahlen Sie für diesen Komfort einen Aufpreis.
5 Regeln für den Lebensmitteleinkauf in der Schweiz
Um böse Blicke der Einheimischen zu vermeiden, sollten Sie diese ungeschriebenen Gesetze befolgen:
- Das Depot für den Einkaufswagen: Die meisten Einkaufswagen benötigen eine 1- oder 2-Franken Münze. Haben Sie immer eine im Auto oder Portemonnaie bereit.
- Gemüse selbst wägen: In vielen Filialen (besonders bei älteren Coop/Migros Layouts) müssen Sie Ihr Gemüse selbst wiegen und ein Etikett drucken, bevor Sie zur Kasse gehen. Wenn Sie es vergessen, schickt Sie das Kassenpersonal zurück, was die wartende Schlange nicht erfreuen wird.
- Taschen mitbringen: Gratis Tüten gibt es nicht mehr. Bringen Sie stabile Mehrwegtaschen mit oder zahlen Sie 20-30 Rappen für Papiertüten.
- Medikamente gibt es separat: Schmerzmittel oder Erkältungsmedikamente findet man normalerweise nicht im Supermarkt. Dafür müssen Sie in eine Apotheke. Für günstigere Optionen schauen Sie in unseren Guide über Online Apotheke Frankreich zum Preisvergleich.
- Einkaufstourismus: Da die Preise hoch sind, ist das Einkaufen im grenznahen Ausland üblich. Viele fahren nach Deutschland oder Frankreich für den Grosseinkauf. Wer eher Kleidung sucht, findet Tipps im Guide für beste Online Schuhshops Deutschland.
Lieferdienste: Wenn Sie nicht aus dem Haus können
Die Lieferlandschaft hat sich bis 2025 deutlich professionalisiert. Dies sind die besten Optionen:
- Just Eat: Ursprünglich für Restaurant Lieferungen bekannt, liefern sie nun auch Lebensmittel in Grossstädten unter 45 Minuten.
- Smood: Der Konkurrent, der eng mit Migros für Lieferungen (oft innerhalb einer Stunde) zusammenarbeitet.
- Farmy: Die Wahl für lokale Bio Produkte direkt vom Bauernhof mit exklusiven Artikeln.
- Kochboxen: HelloFresh ist weiterhin dominant. Beachten Sie, dass kleinere Anbieter wie Beyond Food oft saisonale Pausen (z. B. über die Feiertage) einlegen.
Gesunde und Bio Optionen
Die Schweiz ist extrem gesundheitsbewusst. Während normale Supermärkte gute Bio Abteilungen haben, gibt es auch spezialisierte Reformhäuser. Hinweis: Die Kette „Müller Reformhaus“ meldete 2023 Insolvenz an. Heute finden Sie Gesundheitsprodukte eher in unabhängigen Reformhäusern oder bei der Kette Egli.
Elektronik und Non Food
Supermärkte verkaufen zwar auch Elektronik, aber selten zum besten Preis. Für teure Anschaffungen lohnt sich der Online Vergleich. Ein Blick in unseren Guide zu Alibaba Schweiz kann helfen, Importoptionen zu verstehen, um der lokalen „Schweiz Steuer“ zu entgehen.
Einkaufen in der Schweiz erfordert Planung, aber sobald man das System aus Migros, Coop und den Sonntagsregeln verstanden hat, lässt es sich hier hervorragend geniessen.