Schnelle Fakten
Der britische Dropshipping Markt wird bis 2030 voraussichtlich 78,7 Milliarden USD erreichen und wächst damit schneller als fast jeder andere Markt in Europa. Doch wer noch Leitfäden von vor drei Jahren liest, programmiert sein Scheitern vor. Die Zeiten, in denen man einfach ein Produkt in einen Shop stellte und die Logistik ignorierte, sind vorbei.
Im Jahr 2025 hängt der Erfolg davon ab, sich in den strengen Mehrwertsteuerregeln (VAT) zurechtzufinden, die 135-Pfund Grenze für Sendungen zu verstehen und Lieferanten zu meiden, die still und heimlich pleitegegangen sind. Es geht nicht mehr nur darum, Produkte zu listen; es geht darum, ein rechtskonformes und nachhaltiges Unternehmen aufzubauen.

Der Realitätscheck: Kosten und Margen
Räumen wir direkt mit dem größten Mythos auf: Dropshipping ist nicht kostenlos. Während viele Gurus behaupten, man brauche null Startkapital, sieht die Realität auf dem britischen Markt anders aus. Um einen Shop zu eröffnen, der tatsächlich Verkäufe generiert, benötigen Sie ein monatliches Budget zwischen 200 £ und 600 £.
Wohin fließt dieses Geld?
- Plattformgebühren: Shopify Basic kostet etwa 30 £/Monat.
- Datenschutz: Wenn Sie Kundendaten elektronisch verarbeiten (was Sie tun werden), müssen Sie sich beim ICO registrieren. Stand Februar 2025 beträgt die Gebühr für Kleinstunternehmen 52 £.
- Marketing: Sie benötigen anfangs mindestens 100 £–300 £, um Produkte zu testen, bevor Sie einen Gewinner finden.
Insider Tipp: Anfänger sehen aufgrund der Werbeausgaben meist Nettogewinnmargen unter 10 %. Etablierte Shops mit E-Mail-Listen und optimierten Funnels arbeiten im Bereich von 15-20 %. Wenn Sie nach einem anderen Modell mit anderen Kapitalstrukturen suchen, lohnt sich ein Vergleich mit dem Dropshipping in anderen Regionen, um die globalen Unterschiede zu verstehen.
Britisches Recht: Mehrwertsteuer (VAT) und Steuern
Der trockene rechtliche Teil ist meist das, was neue Shops scheitern lässt. Hier ist die vereinfachte Zusammenfassung dessen, was Sie wissen müssen, um sicher zu agieren.
Die 90.000-Pfund Schwelle
Sie müssen sich nicht sofort für die Mehrwertsteuer registrieren. Eine Registrierung ist erst zwingend erforderlich, wenn Ihr steuerpflichtiger Umsatz innerhalb von 12 Monaten 90.000 £ überschreitet. Diese Schwelle ist bis März 2026 bestätigt. Dennoch müssen Sie Ihr Unternehmen vom ersten Tag an entweder als Einzelunternehmer (Sole Trader) oder als Limited Company anmelden.
Die 135-Pfund Regel (Wichtig für China Importe)
Wenn Sie Waren aus China (AliExpress, CJ Dropshipping) an britische Kunden versenden, entscheidet der Wert des Pakets darüber, wer die Steuer zahlt:
- Unter 135 £: Die Mehrwertsteuer wird direkt beim Verkauf (Point of Sale) erhoben. Plattformen wie AliExpress wickeln dies in der Regel automatisch ab.
- Über 135 £: Einfuhrumsatzsteuer und Zölle werden an der Grenze fällig. Warnung: Wenn Sie keine speziellen Versandbedingungen (wie DDP – Delivered Duty Paid) nutzen, erhält Ihr Kunde eine unerwartete Rechnung von der Royal Mail, bevor er sein Paket abholen kann. Das garantiert schlechte Bewertungen und Rückforderungen.
Lieferantenliste: Was man nutzen sollte, was man meidet
Nicht alle Lieferanten haben die letzten Jahre überlebt. Hier ist der aktuelle Stand des Marktes.
Die zuverlässigen Optionen
- AliExpress (Der Standard): Immer noch führend in der Vielfalt. Im Jahr 2025 dauert der Standardversand nach UK 12-30 Tage. Pro Tipp: Nutzen Sie nur Anbieter, die „AliExpress Premium Shipping“ (5-15 Tage) anbieten oder lokale EU Lager nutzen. Ein Blick auf den Alibaba Guide für die Schweiz kann helfen, Parallelen bei Import Strukturen zu verstehen.
- Shein (Der inoffizielle Riese): Shein hat keine offizielle Dropshipping Schnittstelle, wird aber oft für trendige Mode genutzt. Der Versand nach UK ist schnell (7-12 Tage). Hürde: Sie müssen eigene Fotos machen. Shein schützt sein Urheberrecht aggressiv; die Nutzung der Model Fotos ist riskant.
Die „Vermeiden“-Liste
- Tmart: Vergessen Sie es. Ende 2025 ist Tmart als Dropshipping Plattform praktisch nicht mehr existent. Verschwenden Sie keine Zeit mit der Suche.
- MiniInTheBox: Sie sind zwar noch aktiv, aber Berichte über horrende Versandkosten, die 50 % des Produktpreises erreichen können, häufen sich. Das zerstört jede Marge.
Finanzielle Hürden: Zahlungsgateways
Kunden in Großbritannien erwarten reibungslose Zahlungsoptionen. Wenn Sie kein PayPal und keine Kartenzahlung anbieten, wird Ihre Conversion Rate leiden. Beachten Sie die Gebühren:
- Stripe UK: 1,5 % + 20p für britische Standardkarten.
- PayPal UK: Die Standardgebühr liegt bei 2,9 % + 30p.
Strategische Tipps für 2026
Um dort erfolgreich zu sein, wo andere scheitern, sollten Sie clever vorgehen:
- Aggressive Nischenbildung: Eröffnen Sie keinen Gemischtwarenladen. Wählen Sie eine spezifische Mikronische. Statt Mode allgemein könnten Sie sich auf nachhaltige Sportbekleidung spezialisieren.
- Lokale Preisprüfung: Prüfen Sie vor dem Import lokale Discounter, um sicherzustellen, dass Sie nicht zu teuer sind. Ein Blick auf ein Online Schuhgeschäft in Deutschland oder UK zeigt Ihnen, welche Preiserwartungen Konsumenten haben.
- Versandzeit testen: Bestellen Sie ein Muster zu sich nach Hause. Wenn es 30 Tage dauert, verkaufen Sie es nicht. Britische Kunden sind Amazon Prime gewohnt und werden nicht ohne Beschwerde einen Monat warten.